17.7.

Pausentag. Um 7 Uhr verwandelt die Sonne das Zelt in eine Sauna. Tagesprogramm:

  • Wäsche waschen, bevor der grosse Ansturm auf die Waschmaschinen beginnt
  • Yoga
  • Kaffee
  • Lachs-Crepes und mehr Kaffee mit Kathrin beim Imbiss an der Rezeption.
  • weiteren Urlaub zu planen

Am Nachmittag gibt es etliche Regenschauer. Am Abend gehen wir zum Kai und beobachten, wie das gewaltige Kreuzfahrtschiff im vergleichsweise engem Fjord wendet. Danach gönnen wir uns ein exzellentes Abendessen im Brauerei-Pub. Kathrin hat Hecht, ich esse Spare ribs und lecke mir alle Finger. Dazu gibt es lokal gebrautes Bier. Das Pub sieht von aussen einer historischen skandinavischen Stabkirche ähnlich,und präsentiert sich von innen rustikal wie man sich ein modernes Wikingerpub als Tourist vorstellen mag…

Nach dem Essen ist das Wetter wieder besser. Bis Mitternacht spielen wir Karten mit Jonas und Jessica aus Basel.

18.7.

Wir mieten zwei Mountainbikes vom Campingplatz, frühstücken in der Bäckerei am Bahnhof. Dann radeln wir gemütlich auf der schmalen Fahrstraße das Flåmdal hinauf Richtung Myrdal.


Bald ist das Dörfchen verlassen. Die Unesco-Welterbe Flåmbahn verläuft oft parallel zur Strasse. An den Berghängen zu beiden Seiten gibt es Wasserfälle, und unter uns rauscht der Flåm-Bach. Nach einigen Kilometern müssen wir wegen der verlockenden Himbeeren stoppen, die überall am Strassenrand wachsen. Fast könnte man sie im Vorbeifahren pflücken...




Auf der von Autos kaum befahrenen Straße kommen uns etliche Radfahrer entgegen. Viele sind per Bahn nach Myrdal oder Finse gefahren und fahren nun mit geliehenen Mountainbikes den Rallarwegen nach Flåm.




Nach etwa 15km ist die Strasse nicht mehr geteert, aber sehr fein geschottert, wie Makadam. Je weiter wir nach hinten kommen, desto dunkler wird der Himmel. Kurz vor dem Wolkenbruch erreichen wir zum Glück einen kleinen Tunnel. Malerischer kann die Regenpause nicht sein: auf der anderen Seite rauschen zwei Wasserfälle von noch oben ins Tal. Einige Radfahrer kommen aus Richtung Myrdal, und fahren trotz Regen weiter. Wir haben keine Regenkleidung dabei und warten mit der Rückfahrt bis der gröbste Regen vorbei ist.

Ungefähr auf halbem Weg scheint schon wieder die Sonne. Völlig durchnässst und schlammverspritzt von oben bis unten (weil die Velos keine Schutzbleche haben) erreichen wir den Campingplatz. Warm duschen, einkaufen, Würstchen und Kartoffelsalat zum Znacht. Und es Lettöl…



Ein Deutscher, den ich zunächst für eine Frau gehalten habe, trägt bereits zum zweiten mal sein aufgebautes 4-Personen-Iglu auf den Zeltplateau umher. Der Verkehrslärm störe ihn, und er habe Angst, dass die über dem Plateau stehenden Campervans ihn nachts überrollen. Er ist mit einem Interrail-Ticket unterwegs, und schleppt ungefähr zwei grosse Rucksäcke und zwei grosse Tragetaschen mit sich herum. Zudem ernährt er sich von Rohkost. Da wird es sehr schwer, wirklich in die Wildnis zu kommen, nach der er sich sehnt. Dann schwärmt er ein wenig vom Camping in Schweden.

19.7.

Der Himmel ist noch recht verhangen, als wir vom Camping zum Bahnhofs- und Hafengelände aufbrechen. Mit Brioche zum Frühstück und Sandwiches ausgerüstet nehmen wir den Bus nach Gudvangen (voll besetzt, knapp 100 Kronen). Die Fahrt zum Nachbarfjord dauert etwa 20 Minuten und geht grösstenteils durch zwei sehr lange Tunnel.




In Gudvangen angekommen, mieten wir uns ein 2er-Kajak für den halben Tag. Das kostet etwa 500 Kronen pro Tag. Mittlerweile strahlt die Sonne am wolkenlosen Himmel, und die Sonnencreme liegt im Zelt.





Nach den etwas unorganisierten wirkenden Gruppeninstruktionen paddeln wir los, durch den relativ schmalen Næroy-Fjord mit seinen steilen Felsflanken und Wasserfällen, vorbei an einer grossen Privatjacht. Mit dem “skirt” fest um die Sitzöffnung des Kajaks gezurrt bleiben die Hosen tiptop trocken. Immer wieder fahren Fähren und kleinere Touristenschiffe ein und aus. Nach Mittag queren wir den Fjord und gehen an Land. Mittagessen, Siesta, Rückfahrt.




Nach ziemlich genau 4 Stunden sind wir zurück in Gudvangen. Den restlichen Nachmittag nutzen wir für eine geführte Tour durch ein Wikingerdorf. Der Tourguide ist als Vikinger verkleidet und gestikuliert wild mit seiner Axt umher, während er auf Englisch ein paar lustige Vikinger-Geschichten erzählt. Nach der Rückfahrt nach Flåm per Bus gönnen wir uns Deer-Burger am Campingplatz-Imbiss.





20.7.

Die Morgensonne verwandelt das Zelt bereits um 7 in eine Sauna. Kaffee, Yoga. Selbstgemachte Lachsbrötchen zum Frühstück.

Es wird Zeit, das Zelt wieder abzubrechen. 4 Nächte waren wir nun am gleichen Ort! Unsere Fähre nach Bergen geht zwar erst am Nachmittag direkt vom Kai in Flåm.

Vorher besichtigen wir zunächst das kostenlose und nicht allzu grosse Flåmbahn-Museum am Bahnhof. Die Erbauung der Flambahn von 1920 bis 1948(?) mit all ihren Tunneln wird eindrucksvoll mit Fotos und alten Werkzeug illustriert. Ausser uns sind zumeist ältere Herrschaften im Museum unterwegs.

Ein älteres Foto zeigt den Bahnhof und Hafen von Flåm von einer Erhöhung. Das inspieriert uns, eben diesen (wirklich nicht sehr hohen) Hügel mitsamst unseren grossen Rucksäcken zu besteigen.

lustige Fortbewegungsmittel für die Schiene
lustige Fortbewegungsmittel für die Schiene

Neben dem Wanderweg wachsen Himbeersträucher voller reifer Beeren. Wir sammeln mit beiden Händen und kommen fast mit dem Essen nicht nach. Auf einem flachen Felsen sind zwei Sitzgelegenheiten montiert. Von dort genießen wir die Aussicht auf die beiden Kreuzfahrtschiffe und relaxen ungestört eine halbe Stunde in der prallen Mittagssonne. Beim Abstieg merke ich, dass mene Füsse sich noch nicht ganz von den 9 Wandertagen erholt haben…
wilde Blumenpracht
Siesta
Aussicht auf den Hafen von Flam

Noch ein paar Snacks einkaufen, im (ziemlich kalten) Fjord baden, die Zeit bis zum Boarding auf die Fähre totschlagen. Der Kleibe Sandstrand erfreut sich größter Beliebtheit heute. Dummerweise versagt unser Benzinkocher erstmalig in diesen Ferien den Dienst, also gibt es den Kaffee vom Beck.
Kathrin schwimmt im Fjord

Die Sonne brennt erbarmungslos, und die Warteschlange vor der sehr modernen Fähre ist lang…
Wartenschlange in der sengenden Sonne

Wir beobachten das Anlegemanöver auf einem engen Gang vom Open-Air-Bug des Schiffes. Endlich Fahrtwind.
Ups, der Kahn ist sauschnell… Einem anderen Passagier reist es tatsächlich die Brille aus dem Gesicht. Die Aussicht von hier vorne ist wirklich fantastisch. Zügig wechseln sich die steilen, teils silbrig in der Sonne glänzenden Bergflanken, Wasserfälle, märchenhafte Seitenfjorde ab. Überall möchte man am liebsten hinein- bzw. hinauf wandern.
Haare im Wind

Panorama

Einblicke

Einblicke

Im Schiff selbst gibt es gemütliche Ledersitzgruppen und grosse LCDs. Wir quatschen eine Weile mit einem australischen Pensionärspärchen, dann gehen wir auf das Open-Air-Achtereck für weiteres Fotoshooting mit der gewaltigen Kielwasser-Spur und der norwegischen Flagge.

Einblicke

So schnell wie die Fähre auf dem Fjord unterwegs ist, so schnell gehen auch die Stops auf der anderen (nord) Seite des Sognefjords von statten. Kaum angehalten wird auch schon wieder abgelegt.
Einblicke

Einblicke

Je weiter wir fahren werden die Berge flacher, die Landschaft waldiger, die Siedlungen häufiger. Dann durchfahren wir die dem Festland vorgelagerten Inselgruppen. Je näher wir Bergen kommen, desto mehr Wochenend-Hütten sind auf den kleinen Inseln. Das Fahrwasser ist teils sehr schmal.

Ankunft in Bergen

Ankunft in Bergen. ATM suchen (die 700 Kronen für das BnB sollen bar bezahlt werden), dann wandern wir auf steilen Pfaden hinauf zum Kalfarien… Ein norwegisches Villenviertel, malerische grosse Holzhäuser mit parkähnlichen Gärten am Hang gelegen. In so einem Haus beziehen wir unser Zimmer, das wir gerade erst am Vormittag klassisch per Telefon gebucht haben. Zwei gewaltige schwarze Neufundländer-Hunde bewachen das eiserne Tor, sind aber handzahm nachdem uns der Hausherr eingelassen hat. Wir schlafen das erste Mal seit 2 Wochen wieder ein einem richtigen Bett.

21.7.

Auf der Suche nach dem auf einem Notizzettel im Zimmer beschriebenem Einkaufsladen wandere ich gefühlt eine halbe Stunde erfolglos die quasi menschenleere Hauptstrasse entlang. Auf dem Rückweg kann ich einen Einheimischen fragen, und siehe da, es geht gleich hier eine Treppe hinab, durch eine Fussgänger-Unteführung in einem Wohnquartier und 3 Ecken, und dort ist ein Coop…
Stadtbummel Bergen
Nach dem Frühstück pilgern wir mit Sack und Pack zunächst zum Bahnhof und schliessen die Rucksäcke im Schliessfach ein. Tatsächlich ist es heute mal nicht sonnig, und der Himmel bleibt den ganzen Tag verhangen. Die verbleibenden Stunden bis zum Abflug (ca. 19:00) vertreiben wir uns mit einem Stadtbummel. Wir schlendern mit tausenden weiteren Touristen durch das mittelalterliche Handelskontor Bryggen (Weltkulturerbe) an der Mole, dann durch den Fischmarkt.
3 für 2...
Bryggen
letterbox for the good news
Bryggen
Weil immer noch viel Zeit ist, besuchen wir auch noch das Schifffahrtsmuseum mit seinen wunderschönen Schiffsmodellen und durchgängig norwegisch und englischer Beschreibung.
Zum Abschluss des Stadtbummels gibt es ein feines Fischmenü am Hafen. Mit der S-Bahn geht es wieder zum Flughafen, der ähnlich menschenleer ist wie bei unserer Ankunft vor zwei Wochen. Bye bye Norwegen, danke für das tolle Wetter und bis zum nächsten Mal!
Fischgerichte
Fischgerichte
Fischgerichte